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Landwirtschaft 4.0 - Digitalisierung als Chance (German only)

Zu den größten Herausforderungen unserer Generation gehört es, eine rasant wachsende Zahl von Menschen mit ausreichend Nahrung zu versorgen – und mit gesunder Nahrung. Wie Landwirtschaft und Industrie in Zukunft kooperieren können – ja: müssen – um diese Mammutaufgabe zu stemmen, beleuchtet die Studie "Farming 4.0: How precision agriculture might save the world".

Im Jahr 2050, so prognostizieren es Demographen, werden etwa 9,8 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Mit den heutigen landwirtschaftlichen Methoden ist die Versorgung einer so gewaltigen Zahl nicht möglich. Die Landwirtschaft muss sich deshalb von Grund auf reformieren. Entscheidend ist dabei zum einen der Einsatz digitaler Werkzeuge und zum anderen die enge Zusammenarbeit mit der Industrie.

"Die Welt nachhaltig zu ernähren und die Landwirte davon zu überzeugen, dass dies auch tatsächlich funktioniert, ist die zentrale Herausforderung der Precision Farming" - Wilfried Aulbur, Senior Partner.

Mit dem Einsatz webbasierter Technologien entwickelt sich die aktuelle Landwirtschaft weg vom kleinbäuerlichen Betrieb und hin zur sogenannten Präzisionslandwirtschaft. Präzisionslandwirtschaft („Precision Farming“) ist als Sammelbegriff für neue Produktions- und Managementtechniken in der Landwirtschaft zu verstehen. Mit den heute verfügbaren technischen Mitteln ist es möglich, eine hoch effiziente, standortangepassten Art zu Wirtschaften zu entwickeln, die eine deutlich höhere Effizienz als die konventionelle Landwirtschaft ermöglicht.

Etwas konkreter formuliert geht es um das Zusammenspiel unterschiedlicher Segmente, etwa die Flottenverwaltung, der gezielte Einsatz von Drohnen, eine optimierte Betriebsführung (im Hinblick auf Boden-, Saatgut-, Pflanzengesundheit und Schädlingsbekämpfung), die optimierte Aussaat und der exakte Einsatz von Düngemitteln. Grundlage für diesen intelligenten Umgang sind große Plattform-Lösungen. Zentrales Bindeglied ist die Konnektivität.

Fünf grundlegende Fragestellungen

1. In welchem Bereich können Landwirte künftig selbst Werte schaffen – und wo sind Kooperation sinnvoll? Wenn sich landwirtschaftliche Arbeit in Richtung global integrierter Plattformen bewegt - wie lässt sich entscheiden, welchen Teil der Wertschöpfungskette der Landwirt selbst bespielen möchte? Welche Fähigkeiten besitzt er selbst - bzw. muss er noch entwickeln und an welcher Stelle ist es klüger, Partnerschaften und Kooperationen mit der Industrie einzugehen?

2. Wie kann die Transformation hin zu ergebniszentrierten Geschäftsmodellen gelingen? Da sich das Geschäftsmodell in der Landwirtschaft von einer produkt- hin zu einer ergebnisorientierten Ausrichtung entwickelt, stellt sich die Frage, wie die Landwirte diesen Wandel gestalten können. Was ist ein sinnvolles Zeitfenster für den Transformationsprozess? Wie lässt sich dieser modifizierte Ansatz organisieren und implementieren?

3. Wie und an welcher Stelle lassen sich neue Technologien sinnvoll nutzen? Wie können Landwirte auf dem neuesten Stand der rasant sich verändernden technischen Entwicklung bleiben? Auf welche Weise lassen sich diese Chancen nutzen?

4. Was sind die erfolgreichen Modelle für Landwirte? Landwirtschaftliche Einkommen sinken, politische Rahmenbedingungen ändern sich, das Durchschnittsalter der Landwirte steigt rasant - wie lässt sich unter diesen Umständen ein nachhaltiges Werteversprechen für die Landwirte ableiten?

5. Wie lassen sich die Landwirte in den industriellen Transformationsprozess einbinden? Angesichts stetig wachsender Aktivitäten im landwirtschaftlichen Bereich (Umwelt, Daten, Investoren) stellt sich die Frage der richtigen Kommunikation. Wie lassen sich die Landwirte erreichen?

David Benell, Manager – Food, Land and Water, World Business Council for Sustainable Development, gibt eine Konstante vor, an der sich die künftigen Maßnahmen orientieren sollen. Man kann und sollte Landwirten keine technologischen Lösungen aufzwingen. Im Gegenteil: Die Lösungen, die die Industrie finden muss, sollte den Landwirt und den Menschen in den Mittelpunkt stehen.

RB Contact: Wilfried Aulbur (Senior Partner, Chicago Office)